c'est passé

 

Ich frage mich manchmal, wo genau es passiert ist. War es am Anfang oder eher am Ende?

 

Hast du was gespürt? Warst du erleichtert?

Weisst du, dass ich wütend war?

 

Es wird nicht darüber gesprochen. Ich spreche nicht darüber. Es gibt auch nichts zu sagen. Die Menschen können nicht angemessen reagieren. Mal sind sie zu betroffen, mal zu gefühllos. Und manchmal hässlich neugierig.

 

Erinnerungen flackern auf. Ein Zug donnert an mir vorbei, Ich habe Gänsehaut. Immer noch.

 

Wenn ich durch den Wald spaziere, denke ich ab und zu an dich. Wo du wohl warst, in dieser Nacht? Ich bin dir nicht gefolgt.

 

Hast du den Wind gefühlt? Die erdig, holzige Luft geatmet? Was hast du gemacht, so ganz alleine, ohne Jacke?

 

Erinnerungen werden schwächer. Verschwommen. Hätte ich gewusst, dass du gehst, hätte ich den Kaffee mit dir getrunken. Doch ich war müde. Fünf Uhr morgens ist auch früh.

 

 

Der Konjunktiv bringt niemandem etwas.

 

 

Du bist zur Arbeit gefahren. Es gehe dir gut. So gut wie noch nie.

Fröhlich warst du. Beinahe geflogen, geschwebt.

 

Euphorie. Manie.

 

Weisst du, das Warten auf dich war anstrengend. Die Zeit verliert in solchen Momenten an Gehalt. Sie tröpfelte vor sich hin.

 

Als ich nach Hause gekommen bin stand die Türe offen. Ein jeder hätte hineinkommen können.

 

Ich war lange ruhig. Ich hoffte.

 

Du bist nicht wieder gekommen. Richtig verabschiedet haben wir uns nicht. Ich hätte dich gerne nochmals umarmt, deinen Geruch gerochen, dir vielleicht übers Haar gestreichelt. Bewusst. Schwesterlich.

 

Es ist, wie es ist. Ich denke, es geht dir jetzt besser. Du bist geflogen. Weiter als alle anderen.

 

(2014)

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